Mein erster „längster Tag des Jahres“ CTW 2013 – Teil 2
(Ein Bericht von Peter)
(Teil 1)
Gemäß der Wettkampf-Besprechung sind es ca. 16 km bis in die Stadt zur Wechselzone und 3 Runden à 53 km durchs nördliche Kölner Umland (hi hi da wohne ich und kenne die Strecke aus dem Vorjahr von der Halb-Distanz sowie von etlichen Trainingsrunden wie meine Westentasche).
Uhrzeit egal, irgendwo so gegen 8.25 Uhr, aber absolut im Plan, also rauf aufs Rad und ab dafür. Die ersten 16 km zum warm werden, von Anfang an wollte ich nicht zu schnell fahren, es sollten 6 Stunden werden, entspricht einem Schnitt von 30 km.
Wetter perfekt, kaum Wind, die ersten km laufen wie geschnitten, schnell zeigt die GPS Uhr einen Schnitt von 31 km an, na prima, lässt sich gut an. Die Strecke größtenteils fast komplett wie letztes Jahr, der Schnitt steigt weiter an auf 32 km. Kommt so ein Männchen oben rechts im Auge und meint: vlt. solltest du gucken dass du dich einpendelst, keine schlechte Idee. Bis zur Wechselzone in der Stadt (KM 16) liege ich dann bei 32,4, man man man, wo geht das hin?
Vorne am Lenker zwischen den Aufliegern eine Flasche zum trinken (mit Strohhalm), gefüllt mit 7 Gels in Wasser aufgelöst (Tip von Oliver Bronny – www.bronny.de beim Ernährungsabend vor dem Bonn Triathlon). Sollen für die gesamte Fahrrad Distanz reichen, dazu an den Verpflegungsstationen immer frisches Wasser. Dazu vorne am Rad noch 30 gr. Riegel von Dextro Energy, schmecken mir am besten.
Also immer die KM Zahl im Auge und trinken trinken – essen essen – usw. usw. Klappt bestens bis irgendwann die Blase drückt, ignorieren denke ich und radle weiter.
Es geht auf die erste 53 km Schleife, trocken, fast Windstill und zurück zum Fühli. Die Strecke ist relativ leer, wahrscheinlich sind alle Längen vor mir, aber egal, komme ich auch nie in die Verlegenheit auch nur ansatzweise Windschatten zu riskieren. Kurz vor dem Fühli geht’s dann rechts ran, raus aus den Klicks und ab ins Gebüsch, so viel zum Thema ignorieren – puller puller -. Nach dem Fühli geht’s dann auf die Trainings Strecke Richtung Worringen – da wohnen wir -. Wie ich gehört habe wartet dort dass Support Team vom See auf mich. Wir haben lange überlegt wann ich das erste Mal dort sein werde, alle rechnen so zwischen 10 – und 10.30 Uhr mit dem Peterle. Von der Römerstraße über die B9 auf den Senfweg, und siehe da: nix am Straßenrand, wie geil, ich bin so schnell unterwegs dass alle noch beim Frühstück sitzen. Weiter auf dem Senfweg, doch was ist das, bin ich hier bei der Tour de France? Ich lese meinen Namen auf der Straße mit Pfeilen und Peter Go, yeaaaaaaaaaaahhhhhhhhhhhhhh, was haben die noch alles drauf???? Also weiter mit pedalieren und da noch mal Pfeile, endgeil, Motivation pur. Senfweg hoch, Zeitmess-Matte und links weg wieder Richtung Rheinkassel – Langel – Merkenich – See und zurück in die Stadt, zwischendurch Verpflegung am See, Gel aufgreifen (als eiserne Resreve) weil ich beim ersten Mal zu schnell war. Ach ja, zwischendurch mal wieder die Blase entleeren. Beim zweiten mal in der Stadt (ca. KM 69) liegt der Schnitt dann bei 31,8 km, passt schon irgendwie (kommt ja nur noch ein Marathon nachher, ächz stöhn).
Auf dem Beginn zur 2. Runde stelle ich dann fest dass der Wind leicht zunimmt, was soll’s, wo Gegenwind da auch Rückenwind, vor allem auf dieser Radstrecke – ihr wisst ja, Training und so :-). Alles passt zusammen, der Puls klopft normal, die Beine bewegen sich störungsfrei, der Popo auch ok, also weiter radeln, nur noch 106 km. Am Fühli wieder Verpflegung, bestens organisiert und auch während der Fahrt locker zu greifen, und wieder ab Richtung Heimat. Abbiegen auf den Senfweg und von weitem schon zu sehen, eine Menschentraube, also Anzug zu, Lidschatten auflegen, Schweiß aus dem Gesicht wischen und ein entspanntes Gesicht machen. WOW……..wie ich im Nachhinein erfahren habe (keine Zeit zum zählen gehabt) – 15 Leute in einem Stimmungsnest – klatschend – gröhlend – anfeuernd – mit selbst gemalten Plakaten – fotografierend – was weiss ich noch alles, was ein Adrenalin Kick!!!!!! Kann man diese Fans enttäuschen???? Du musst das Ding rocken, für diese Menschen die sich soviel Arbeit gemacht haben. Besser als Red Bull!!!!!!!!
Auf dem Weg in die Stadt habe ich nach dem Senfweg Rückenwind, puller zum dritten Mal, fahre zwischendurch Oberlenker um den Popo bisserl zu entlasten.
Bei der letzten Durchfahrt an der Wechselzone 2 bin ich dann bei ca. KM 122. Hier bin an dem Punkt meiner längsten Trainingsfahrt, jetzt kommt das „Niemandsland“, die große „Unbekannte“. Der Schnitt liegt, Wind- und Pinkelpausen bedingt bei knapp 31,2 km, ich strahle innerlich, immer noch über Plan, Nach dem Strahlen die Zweifel, bist du zu schnell, musst noch bisserl laufen gleich?
Der Wind auf der dritten Runde ist jetzt nicht ohne, Industriestraße leicht steigend, Verpflegung mit Wasser am Fühli wie gehabt. Der Kopf rotiert, man hört in sich hinein, kommt ein Einbruch, tut was weh, schaut auf die Uhr, passt die Geschwindigkeit, vor fahrende Radfahrer kommen näher, werden überholt, geil, es passt, dein Tag, deine Strecke, halte die Pace und du rockst das Ding. Römerstraße heftiger Gegenwind, egal, heißt nach dem Senfweg Rückenwind, gut wenn man es weiß :-).
Ach ja – Senfweg – das Stimmungsnest ist wieder da, also wieder Lidschatten……….siehe oben. Diesmal alles viel lauter, also um die Leute zu beruhigen: anhalten und beruhigend auf sie einreden: Leute danke für alles, sage ich, aber ich komme hier heute nicht mehr vorbei. Ach ja, special Doping – Frau küssen – herrlich, macht sie sonst nie wenn ich „schweiße“, muss heute ein besonderer Tag sein. Auch alle anderen sind irgendwie total aus dem Häuschen. Das trägt mich die letzten KM ins Ziel, Blumenbergsweg im Rückwind Oberlenker – wegen dem Popo 🙂 – und die Beine fast wie zu Beginn der Runde, wow, was ein geiles Gefühl. Keine Probleme, kein Zipperlein, kein technischer Defekt, einfach nur traumhaft und genießen, ach ja pullern die 4. – Kopfschüttel.
5 KM vor dem Ziel liege ich bei einem Schnitt von 30,8 KM, schalte 2 Ritzel hoch und beginne etwas zu entspannen, Beine lockern, Muskeln lockern, vorbereiten auf die WZ 2.
Noch einmal um die Kurve, rechts abbiegen, bremsen, 5 m vor der Dis-MountLine zum halten kommen – vorher ausklicken – absteigen und entspannt dem MERIDA WARP 4 wie einst die Cowboys am Saloon die verdiente Ruhe gönnen. Abstellplatz wird super zugewiesen.
2. Wechselzone Routine: Rad abstellen, Helm aus, Brille aus, Schuhe aus, Beutel liegt schon da, also auf damit, Schuhe raus (fürs Rennen ZOOT OVWA 2.0) Sailfish Cap auf, Butterbrotdose mit Nutellabrot raus, während dem Schuh anziehen kauen, trinken……………..und den Schildern folgen auf die Laufstrecke (nur noch ein Marathon!!!!!!!!!!!!!)
Ende Teil 2………………….to be continued (Teil 3)


